Literatur

Europa literarisch: Vladislav Bajac (Serbien) „Hamam Balkania“

05.04.2011, 18:00

Vladislav Bajac, geboren 1954 in Belgrad, arbeitete zunächst als Journalist und Übersetzer. Seinen ersten Roman Ein Buch über den Bambus veröffentlichte er 1989. Bis heute hat er zehn Bände herausgegeben, Lyrik, Kurzgeschichten und fünf weitere Romane, darunter Hamam Balkania (Arhipelag Publishing 2008), für den er u. a. den Internationalen Literaturpreis Balkanika erhielt. Bajac ist zudem Direktor des von ihm gegründeten Verlags Geopoetika, zu dessen Autoren der Nobelpreisträger Orhan Pamuk, Don DeLillo, Julian Barnes, Haruki Murakami und Christoph Ransmayer gehören.

Auf zwei Zeitebenen entwickelt sich die Handlung des Romans Hamam Balkania: im Osmanischen Reich des 16. Jahrhunderts und in der Gegenwart. Beide sind miteinander verwoben. Lebende Personen, darunter Orhan Pamuk, Alberto Manguel und Bajac selbst, treffen auf historische Figuren. Eines der Hauptthemen ist der Identitätskonflikt eines Menschen, den verschiedene Religionen und soziale Umfelder geprägt haben. Mehmed Pascha Sokullu, der Protagonist auf der historischen Erzählebene, wird als junger Mann aus einem orthodoxen serbischen Kloster nach Konstantinopel verschleppt und steigt dort bis in die höchsten Ränge des Osmanischen Reichs auf. Er ist türkischer Großwesir und ehemaliger Mönch, Serbe und Osmane, Muslim und Christ zugleich.

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