Literatur

Europa literarisch: Filip Florian (Rumänien) „Kleine Finger"

15.04.2010, 18:00

Filip Florian ( geb.1968) studierte Geologie und Geophysik, später arbeitete der als Journalist für die Zeitung "Cuvîntul" und für Radio Free Europe sowie die Deutsche Welle. Sein Roman Degete mici („Kleine Finger“) wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. von der Rumänischen Writers Union als bestes Prosa-Debüt 2006, und erschien auch in den USA und Polen. Sein 2008 erschienener Roman „Zilele regelui” („Die Tage des Königs“), wurde vom „Kolloquium des zeitgenössischen rumänischen Romans” zum Buch des Jahres gekürt.

In einem Karpatenstädtchen wird in den Ruinen einer römischen Festung ein Massengrab entdeckt. Alles scheint auf ein Verbrechen aus kommunistischer Zeit hinzudeuten. Da die Bevölkerung den Ermittlungen der zuständigen Militärstaatsanwälte nicht traut, werden argentinische Experten nach Rumänien geholt, die mit der Suche und Identifizierung der Opfer der Junta befasst waren.

Die Suche nach der Wahrheit, die nur zersplittert, perspektivisch, als Wahrheit einzelner Menschen zu haben ist, bestimmt auch die Dramaturgie des Romans. Im Zentrum steht der Archäologe Petrus, der sich der allgemeinen Hysterie entzieht und eigene Forschungen anstellt.

Die abenteuerlichen und wundersamen Lebensgeschichten, auf die Petrus stößt und die Filip Florian mit großer Sprach- und Imaginationskraft wie eine Grusel-Groteske erzählt, lassen Epochen des 20. Jahrhunderts in Europa und Lateinamerika wiederauferstehen. Sein Roman schildert eine von Diktaturen malträtierte Welt, die sich nach Gerechtigkeit sehnt.

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