
Europa literarisch: Ramiro Pinilla (Spanien) „Der Feigenbaum"
28.01.2010, 18:00
Ramiro Pinilla, geboren 1923 in Bilbao, gehört zu den wichtigsten baskischen Autoren der spanischsprachigen Gegenwartsliteratur. Mit seinem ersten Roman Las ciegas hormigas (Ediciones Destino, Barcelona; dt. Die blinden Ameisen, DVA 1963) gewann er 1960 den Premio Nadal und den Premio Nacional de la Crítica. Von der unpersönlichen Behandlung der großen Verlage enttäuscht, entschied er sich 1971 dazu, ausschließlich in kleineren Verlagen zu publizieren. Mehr als 30 Jahre danach kehrte er 2004 mit dem beeindruckenden Familienepos Verdes valles, colinas rojas (Tusquets Editores, Barcelona) zu einem großen Verlag zurück. Für das Werk erhielt er 2005 den Premio de la Crítica sowie 2006 den Premio Nacional de Narrativa. In Berlin liest Ramiro Pinilla aus Der Feigenbaum (dtv, 2008; im Original: La higuera, Tusquets Editores 2006).
Das Buch beschäftigt sich mit der Eroberung des Baskenlandes durch die Franco-Truppen zu Beginn des Spanischen Bürgerkrieges 1937. Demütigung und Vergebung sind dabei Themen, die der Autor durch erschütternde Details auslotet. Erzählt wird von der Ermordung eines baskischen Republikaners und seines ältesten Sohnes durch Rogelio, einen Falangisten. Der jüngste Sohn beobachtet die Tat und bleibt durch einen Ehrenkodex, der das Töten von Kindern verbietet, am Leben. Rogelio haftet der kalte Blick des Jungen im Gedächtnis. Durch einen Feigenbaum bleibt er für den Rest seines Lebens an die Morde erinnert.
Europäisches Haus
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