Literatur

Europa literarisch: Frank Westerman (Niederlande) „Das Getreideparadies"
22.09.2009, 18:00
Sicco Mansholt hatte einen Traum: Nie wieder einen Hungerwinter! Seine Familie stammte aus dem Oldambt am Dollart, der Kornkammer der Niederlande, wo er zu Beginn des 20. Jahrhunderts Armut, Reichtum und soziale Missstände erlebte. Als er nach dem Zweiten Weltkrieg Landwirtschaftsminister der Niederlande und schließlich EWG-Agrarkommissar wurde, versuchte er, die europäische Landwirtschaft krisenfest zu machen, und unterwarf sie rigiden planwirtschaftlichen Vorgaben. Die Marktmechanismen wurden mit Agrarsubventionen weitgehend ausgeschaltet. Butterberge und Milchseen entstanden. Mansholt entfachte den Zorn der europäischen Bauernschaft, hielt aber verbissen an seinen Überzeugungen fest – bis die Umweltbewegung und mit ihr die junge Petra Kelly in sein Leben traten.
Mit leichter Feder erzählt der niederländische Erfolgsautor Frank Westerman die Geschichte dieser europäischen Kulturlandschaft, die einst dem Meer abgetrotzt und nun wieder geflutet wurde. Aufs engste mit dieser Landschaft verwoben sind die Schicksale ihrer Bewohner und Bezwinger, die Westerman in drei dramatischen Familiengeschichten über Jahrzehnte verfolgt. Seine literarische Reportage ist ebenso unterhaltsam wie spannend geschrieben.
Europäisches Haus
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