Europa literarisch: Sigitas Parulskis (Litauen ) „Drei Sekunden Himmel“

27.05.2009, 18:00

Seit Beginn seiner Schriftstellerkarriere erkundet der litauische Schriftsteller Sigitas Parulskis (*1965) unablässig Gattungen, Genres und Formen. Sein Lyrikdebüt aus dem Jahr 1990 „Iš ilgesio visa tai” (Aus Sehnsucht – das alles) präsentiert eine Welt, in der „der Ekel triumphiert“ und ein lyrisches Ich, das „teuflisch leer und göttlich unruhig“ ist. Der Band trug ihm den Zigmas-Gėlė-Preis für das beste literarische Debüt des Jahres und den Ruf des Enfant terrible der litauischen Literatur ein. Bis heute polarisiert Parulskis Kritik und Publikum vor allem dadurch, dass er Sakrales und Profanes vertauscht und fusioniert, er ist damit für die einen ein Nestbeschmutzer, für andere ein Mythenschöpfer. Nach vier Lyrikbänden veröffentlichte er drei Romane, verfasste Dramen sowie Kritiken und Essays.

Im Claassen Verlag ist 2009 Parulskis’ erster Roman „Drei Sekunden Himmel“ auf Deutsch erschienen. Sein Protagonist, ein etwa dreißigjähriger Litauer, irrt zu Beginn des neuen Jahrtausends durch das Labyrinth seiner Erinnerungen an den Wehrdienst, den er Mitte der 80er Jahre in einer in der DDR stationierten sowjetischen Fallschirmjägereinheit ableistete. Dieser Alltag ließ ihn brutal und zynisch werden, in der Folge bleibt er seiner Freundin und nicht zuletzt sich selbst fremd. Auch Jahre nach dem Militärdienst befindet er sich noch immer im freien Fall, in drei nicht enden wollenden Sekunden zwischen Himmel und Erde, Vergangenheit und Gegenwart, Leben und Tod – drei Sekunden, die Einsamkeit bedeuten.
Neben dem bereits erwähnten Zigmas-Gėlė-Preis erhielt Parulskis für seine Werke zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2004 den Litauischen Nationalpreis.

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