Literatur

Europa literarisch: Hugo Hamilton (Irland) „Legenden“
17.03.2009, 18:00
Mit Hugo Hamilton ist am St. Patrick’s Day, dem irischen Nationalfeiertag, einer der wichtigsten Dichter des Inselstaats in Berlin zu Gast. Bekannt und geschätzt ist er auch hierzulande für seine biographisch aufgeladenen Bücher. In „The Speckled People“ (deutsch „Gescheckte Menschen“, 2004 Knaus Verlag) beschreibt er seine Kindheit in Dublin und seine Familie – die Mutter stammte aus Deutschland, der Vater war ein glühender irischer Nationalist. Das Buch erreichte eine hohe Auflage und wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Prix Femina étranger. 2006 erschien die Fortsetzung seiner Memoiren, „The Sailor in the Wardrobe“ (deutsch: „Der Matrose im Schrank“, Knaus Verlag 2006). Hamilton schreibt über die Identitätskonflikte des Heranwachsenden. Sie gründeten einerseits in der Mehrsprachigkeit seiner Familie, andererseits in der Situation in Irland: Im Elternhaus musste er deutsch oder irisch sprechen; das in Dublin dominierende Englisch zu sprechen, war ihm verboten.
Im letzten Jahr erschien „Disguise“ (deutsch: „Legenden“, Luchterhand Literaturverlag 2008), aus dem er an diesem Abend liest. Sein neuester Roman befasst sich wiederum mit der Konstruktion von Identität: Ein dreijähriger Junge kommt bei der Bombardierung Berlin während des 2. Weltkrieges ums Leben – später wird dieses Kind von seinen Eltern durch ein gleichaltriges jüdisches Waisenkind “ersetzt“.
Hugo Hamilton (*1953), der in Dublin lebt, veröffentlichte neben seinen Memoiren sechs Romane und eine Sammlung von Kurzgeschichten. Die bekannte Literaturwissenschaftlerin Hermione Lee meinte, Hamiltons Arbeit zeichne vor allem Feinfühligkeit, Originalität und Nachdenklichkeit aus.
Europäisches Haus
Unter den Linden 78
10117 Berlin

