Literatur

Europa literarisch: Georgi Gospodinov (Bulgarien) „Natürlicher Roman“

20.05.2008, 18:00

Geboren 1968. Ist ein bulgarischer Dichter und Schriftsteller. Gleich für seinen ersten Gedichtband mit dem Titel „Lapidarium“ (1992) erhielt er den Nationalpreis für Literatur in der Sparte „Bestes Debüt“. Seine nachfolgende Veröffentlichung „Der Kirschbaum einer Nation“ (1996) wurde vom Bulgarischen Schriftstellerverband im gleichen Jahr als „Bestes Buch des Jahres“ ausgezeichnet.
Gospodinovs erster Roman erschien 1999. Er trägt den Titel „Natürlicher Roman“ und war in Bulgarien ein überaus großer Erfolg. Der Roman wurde in zehn andere Sprachen – darunter Englisch, Deutsch und Französisch – übersetzt, was Georgi Gospodinov international bekanntmachte. Auch die deutschen Kritiken waren voll des Lobs. So nannte die FAZ das 2007 auf Deutsch erschienene Werk ein „kleines und elegantes Meisterstück“. Die Zeitschrift „Literaturen“ lobte Gospodinovs Erzählweise und die Leichtigkeit, mit der sich seine Texte lesen lassen. Die Neue Zürcher Zeitung bezeichnete diesen außergewöhnlichen Autoren als „experimentellen Humoristen der Verzweiflung“.
In dem bei der Lesung präsentierten Werk „Natürlicher Roman“ beschreibt Gospodinov auf äußerst unterhaltsame Weise einen Ehebruch, bleibt jedoch trotz des gewählten Stils auf der Höhe literaturtheoretischer Debatten. Das Hauptthema der Auftrennung, des Zerfalls stellt zwar den roten Faden dar, wird allerdings immer wieder durch neue, parallel laufende Handlungen unterbrochen, die in einem losen Zusammenhang stehen. Der Autor arbeitet dabei mit vielen literarischen „natürlichen Geschichten“, die er als Metaphern in seine Erzähltechnik einbaut.
In den vergangenen Jahren veröffentlichte Gospodinov ein weiteres Buch mit Kurzgeschichten, das 2004 unter dem Titel „Gaustín oder Der Mensch mit den vielen Namen“ erschien, sowie zwei Lyrikbände. Daneben hat er sich mehr und mehr dem Theater zugewandt. So wurde 2004 beispielsweise sein Stück „D.J.“ (die Initialen von Don Juan) im Satire-Theater in Sofia aufgeführt und erhielt den Preis als „Bestes Theaterstück des Jahres“, das später auch in Frankreich und Österreich zu sehen war. Auch als Drehbuchautor für Kinofilme sorgte er bereits für Furore. So eröffnete die osteuropäische Co-Produktion mit dem Titel „Lost and Found“, für die Gospodinov das Drehbuch schrieb, das Programm des Berliner Talente Campus auf der Berlinale 2005.

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